Modellstadt Bochum – Selbstfahrende Mini-Shuttle für die Innenstadt | Volker Steude

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Anerkennenswert ist, wenn der Bochumer Oberbürgermeister auf Kritik reagiert, falsche Entscheidungen revidiert und berichtigt. So hat es Thomas Eiskirch (SPD-OB Bochum) nun getan. Sein nächstes Dienstfahrzeug wird ein Elektro- bzw. Hybridfahrzeug sein (WAZ vom 17.08.17). Der erst kürzlich geleaste unzeitgemäße 5er BMW-Diesel hat ausgedient. Ihm droht an Tagen mit hoher Luftverschmutzung Fahrverbot.

Die zuerst von den STADTGESTALTERN deutlich formulierte Kritik an dem Diesel-Dienstwagen des OB hat die beabsichtige Wirkung gezeigt (STG vom 25.12.16).

Bochum – Vorreiter bei der Elektromobilität

Der Bochumer OB kündigt an, die Stadt bei der Elektromobilität weiter Vorreiter werden (WAZ vom 17.08.17). Alle neuen PKW der Stadt und ihrer Gesellschaften (Bogestra, Sparkasse, Stadtwerke, VBW, USB u.a.) sollen mit mit Elektro- und Hybridmotoren ausgestattet sein. Auch das ist ein folgerichtiger Schritt.

Doch in der Zukunft werden wir nicht nur einen Wechsel des Antriebs der Fahrzeuge von Verbrennungsmotoren auf Elektrofahrzeuge erleben sondern auch einen grundsätzlichen Wandel von selbstgefahrenen Privatautos zu autonomen, öffentlichen Fahrzeugen.

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Foto: Rama, Wikipedia

Der Verkehr in Bochum 2050

In 15-30 Jahren wird der Verkehr völlig anders aussehen als heute. Werfen wir einen Blick auf Bochum im Jahr 2050: Auf den meisten Straßen fahren nur noch selbstfahrende Kabinenbusse (Mini-Shuttle) mit 6-15 Sitzplätzen (SZ vom 11.12. 2016). Wer von A nach B will, gibt seinen Fahrtwunsch in eine App ein. Kurzer Zeit später hält vor ihm der passende Minibus, auf dessen Fahrt er ohne Umsteigen zum gewünschten Ziel gebracht wird. Das intelligente Steuerungssystem der Mini-Shuttle sorgt dafür, dass deren Fahrstrecken immer so an die Fahrtwünsche der Nutzer angepasst werden, dass alle direkt von ihrem Startpunkt zum gewünschten Ziel gefahren werden können. Privatautos werden überflüssig, aber auf Dauer auch der Nahverkehr (Bus und Bahn), wie wir ihn heute kennen. Es gibt in der Stadt keine Staus mehr, die Parkplätze stehen leer, werden zu Radwegen, breite Bürgersteigen oder Grünstreifen umgewandelt.

Wie die Mini-Shuttle technisch funktionieren, zeigt dieses Video: Ligier Driverless Shuttle. Die technischen Voraussetzungen für den Einsatz dieser Zukunftstechnologie sind bereits vorhanden, die Elektroantriebe, die extrem komplexen Algorithmen zur Steuerung der Fahrzeuge und die Technik zum autonomen Fahren. Gesucht werden Städte, die Testräume anbieten, in denen erste Fahrzeuge unterwegs sein können und im ersten Schritt die Menschen zum Beispiel direkt von ihrem Wohnort zum nächstgelegenen Haltepunkt des ÖPNV bringen.

Modellstadt für selbstfahrende Mini-Shuttle

Die STADTGESTALTER schlagen daher vor, dass Bochum als Stadt, die Vorreiter bei der Elektromobilität sein will, noch einen Schritt weiter geht und ebenfalls Vorbildstadt bei der neuen öffentlichen Mobilität wird.

Vorstellbar wäre zum Beispiel die testweise Erschließung eines Stadtviertels mit selbstfahrenden Mini-Shutteln, die die Bewohner von zu Hause direkt abholen und zur nächst gelegenen Bahnhaltestelle (Nah- und Fernverkehr) bringen.

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Gebiet, innerhalb des Innenstadtrings, in dem die Mini-Shuttle fahren könnten

Auch könnte die Innenstadt mit selbstfahrenden Mini-Shutteln erschlossen werden. Einige Minibusse bewegen sich selbstfahrend innerhalb des Innenstadtrings, und bringen die Menschen von den Parkhäusern und Haltestellen in Randlage direkt in die Fußgängerzone oder zu Zielpunkten, die der Fahrgast direkt individuell festlegen kann, Stadtbücherei, Baltz, Parkhaus, Haltestelle, Bergbaumuseum oder andere (Mini-Shuttle-Zone Innenstadt, Plan). So würde auch der Bongardboulevard vom Busverkehr entlastet. Innerhalb des Innenstadtrings führen keine Autos mehr, mit Ausnahme von Anwohnern und Anlieferverkehr, die Buslinien würden auf den Ring verlegt. Auch die oberirdischen Parkplätze für Besucher könnten aufgegeben werden.

Ist die Zeit reif, die autonomen Fahrsysteme durch den städtischen Einsatz ausgetestet, kann im zweiten Schritt schließlich das gesamte Stadtgebiet mit Mini-Shutteln erschlossen werden.

Fazit

Bochum kann also Modellstadt für autonome Fahrsysteme werden. Gerade die Innenstadt bietet sich als Versuchsfeld an. Sie ist überschaubar. Insbesondere Boulevard, Hans-Böckler-, und Brückstraße würden vom bisher störendem Verkehr entlastet. Dazu könnte Bochum sich überregional als zukunftsweisende Universitätsstadt mit einer neuen Attraktion präsentieren.

Die STADTGESTALTER setzen sich daher dafür ein, dass die Stadt mit den Herstellern autonomer Fahrsysteme Kontakt aufnimmt (u.a. Localmotors, Ligier), um abzuklären, was in Bochum in welchem Stadtbereich ggf. umsetzbar ist. Zur Umsetzung solcher Systeme stehen umfangreiche öffentliche wie private Forschungsgelder bereit. Jetzt bietet sich die einmalige Gelegenheit Bochum vor allen anderen Städten in Richtung Zukunft zu entwickeln. Ergreifen wir die Chance jetzt und zögern nicht bis andere Städte uns zuvor kommen.

Eine Stadt, die sich offen für die Zukunftstechnologien von morgen zeigt, zieht Unternehmen an, die in diesen Bereichen tätig sind. Auf diese Weise gewinnt Bochum neue Arbeitsplätze.

Eine Anfrage mit dem Thema “BOGESTRA und Bochums Straßen fitmachen für autonomes Fahren der Zukunft” hat die Fraktion “FDP & Die STADTGESTALTER” im Juli bereits gestellt (Anfrage 20171757).